Adolf Bätge

Heimatforscher aus Leidenschaft


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Adolf Bätges Suhlendorf-Plan von 1946 – bitte anklicken!
Copyright: Kreisarchiv Uelzen
Ohne ihn wüssten wir weniger über die Geschichte Suhlendorfs – viel weniger: Adolf Bätge (1886–1958) erforschte seine Heimat mit unermüdlicher Ausdauer, Genauigkeit und Leidenschaft – und war mit einem enormen Gedächtnis gesegnet. Ein eigenwilliger Chronist des Landkreises, der sich selbst als Maler und Heimatschriftsteller bezeichnete.

Adolf Bätge wurde am 10. März 1886 in Suhlendorf als Sohn eines Schmiedemeisters geboren und starb am 23. März 1958 in Oldenstadt. Schon als Kind interessierte er sich glühend für die Geschichte seiner Heimat – und besaß außerdem eine hohe zeichnerische Begabung. Im März 1901 wird er Malerlehrling bei Meister Hermann Schulz in Uelzen.

Nach der Gesellenprüfung 1904 zieht er durch Deutschland, die Wintermonate verbringt er an der Kunstgewerbeschule in Hannover, wo er zahlreiche Entwürfe fertigt: Stuckvorlagen, Tapetenmuster, eine Silberkanne. Seine künstlerische Ader lebt er in seinen Aquarellen und SKizzen aus; seine Zeichnungen sind akribisch und geben ihren Gegenstand bis ins Detail korrekt wieder.

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Ein expressiver Blick auf Suhlendorf: Aquarell von
1907 – bitte anklicken! Copyright: Kreisarchiv Uelzen
Bätges Aquarelle und Zeichnungen entstehen auf allen erdenklichen Materialien, auch auf abgerissenen Kalenderblättern. Seine Produktivität ist gewaltig. Erst eine Bleivergiftung, die er sich infolge der Arbeiten an der Bahnstrecke Uelzen–Soltau zuzieht, zwingt ihn, sich etwas zurückzuziehen. 1922 gibt er den Malerberuf auf und widmet sich fortan noch stärker der Heimatforschung.

Bis 1933 begibt er sich auf wissenschaftlich-schriftstellerische Wanderschaft, zu Fuß und mit dem Fahrrad. Ausführliche Beschreibungen zeugen von seinen Forschungen; 1924 macht er Station in Suhlendorf. Den Lebensunterhalt seiner Familie – die aber in seinem aktiven und unsteten Leben offenbar keine zentrale Rolle einnahm – bestreitet er vermutlich dadurch, dass er auf seinen Wanderungen das bäuerliche Umfeld des Kreises Uelzen, die Geschichte der Region und der Familien untersucht und festhält, schriftlich und in Zeichnungen.

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Hof Nr. 2 in Ostedt – von Adolf Bätge am 25.10.1945
gezeichnet. Bitte anklicken! Copyright: Kreisarchiv Uelzen
Später nimmt er eine Tätigkeit im Landwirtschaftsministerium in Hannover auf – und wird dort 1943 ausgebombt. Er verliert unter anderem einen Großteil seiner Aufzeichnungen, die Grundlage seiner Heimatforschung. Aber nach dem Krieg begibt er sich direkt wieder auf Wanderung durch seine Heimat, studiert Landschaft und Architektur, Archive und Kirchenbücher.

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"Er kannt Weg und Steg, jeden Rain an den
Gemarkungsgrenzen der Gemeinden; man
möchte sagen: jedes Haus und die darin
wohnenden Menschen waren ihm alt-
vertraute Bekannte." AZ, Nachruf auf
Adolf Bätge, 24.1.1958; Copyright:
Kreisarchiv Uelzen
Adolf Bätge füllt Hefte und Kladden: mit Fakten und Eindrücken aus Historie, Urgeschichte, Botanik, mit Skizzen von Höfen und Wappen, aber auch mit Abrechnungen. Und nicht nur das: Er schreibt Artikel für die Allgemeine Zeitung. Er verfasst um die vierhundert Haus- und Hofbücher, detaillierte, exakte Darstellungen der Hof- und Familiengeschichte, mitsam penibler Zeichnungen und Quellenverweisen, die bis heute wissenschaftlich verwertbar sind. Und das "Dorfbuch" entsteht, eine Auflistung von rund 360 Ortschaften des Landkreises – Bätge hält die Grundrisse fest und auch die mitunter komplizierten Besitzverhältnisse vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.

Am 23. Januar 1958 stirbt Adolf Bätge, begraben wird er in Oldenstadt. Sein Nachlass konnte in den 1960er-Jahren für das Kreisarchiv erworben werden; eine wertvolle Quelle für Wissenschaftler und Privatforscher.

Literatur von Adolf Bätge:
  • Kirchspiel Suhlendorf, Selbstverl. d. Verf., 1926
  • Geschichte des Kirchspiels Lagendorf im Hansjochenwinkel, Verlag Dt. Buchhaus, 1928

Literatur über Adolf Bätge:
  • Sigrid Vierck: Adolf Bätge zum 120. Geburtstag, in: Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen, C. Beckers Buchdruckerei 2007, 121–128