Bungen Willi

Ein liebenswertes Kapitel Suhlendorfer Geschichte


Kennen Sie die Geschichte vom Betriebsausflug der Firma Herbert Schulze nach Berchtesgaden? 1959 war das. Bei diesem Ausflug war auch Willi Bunge dabei. Und sprach plötzlich fließend Amerikanisch ... Wie das kam, wissen vermutlich die meisten Suhlendorfer heute noch. Falls Sie es nicht wissen: Fragen Sie einfach!

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Bungen Willi – wie immer mit einem Lächeln im Gesicht – im Winter auf dem Dorfplatz,
Ende der 1970er-Jahre. Foto: Helmut Suhm
Willi Bunge wurde 1906 in Suhlendorf geboren. Er war ein kräftiger, starker Mann, fleißig und beliebt; aber er war geistig zurückgeblieben, etwa auf der Stufe eines Siebenjährigen. Er konnte nur seinen Namen schreiben: langsam und konzentriert in feiner Sütterlinschrift. Seine Schullaufbahn verbrachte er acht Jahre lang in der ersten Klasse – Förderkonzepte für Jungen wie ihn gab es damals nicht.

Aber er grüßte jeden, der ihm begegnete, mit einem freundlichen "Schön Wäder hüüt" – und zwar bei jedem Wetter! Er war einfach ein echtes Original, schlicht, aber schlagfertig, dabei immer hilfsbereit, freundlich und gütig: „Bungen Willi“ hatte so viel Sonne im Herzen, dass er bereitwillig davon abgeben konnte. Und dafür lieben ihn die Suhlendorfer. Bis heute.

In "Suhlendorf – eine Chonik" schreibt sein langjähriger Arbeitgeber Herbert Schulze über ihn: "Was ihm an geistigen Eigenschaften fehlte, das hat er durch sein Gemüt und Gefühl mehrfach überbrücken und ausgleichen können. Dennoch hatte er ein erstaunliches Erinnerungsvermögen und seine Schlagfertigkeit war sprichwörtlich. Willi Bunge konnte hochdeutsch und plattdeutsch sprechen, er konnte Mund- und Handharmonika spielen sowie federleicht Walzer tanzen." Und er war vollkommen in die Dorfgemeinschaft integriert. Bis zu seinem Tod am Neujahrstag 1990.